Heute will ich ein wenig über Raise-Größen beim No-Limit Holdem vor dem Flop schreiben. Die einfache Frage ist: wie viel Raise ich vor dem Flop?
Die meisten Spieler gegen die ich auf Titan spiele, raisen einfach Pot – egal mit welcher Hand, egal aus welcher Position. Pot ist prinzipiell eine gute Größe – damit baut man Druck auf und macht es den Gegnern nicht zu billig, mit einem zu spielen. Indem man immer Pot setzt, vermeidet man es, Informationen über seine Hand preiszugeben. Die Gegner wissen nicht, ob man eine Premium Hand (wie Asse) hat oder doch nur einen kleinen Connector (wie 76s).
Das ist eine durchaus valide Strategie, aber irgendwie befriedigt mich dieses System nicht. Denn eigentlich will ich mit meinen guten Händen mehr in die Mitte bekommen und mit meinen schwachen spekulativen Händen eigentlich nur so günstig wie möglich angreifen…
Habe ich Asse, bin ich vor dem Flop auf jeden Fall Favorit. Habe ich jedoch 76s, bin ich höchstwahrscheinlich nicht Favorit. Nun braucht es nicht viel Mathematik, um zu sehen, dass ich lieber Geld als Favorit denn als Underdog in die Mitte schiebe.
Wie löse ich das Problem? Indem ich mit meinen guten Händen mehr raise als mit meinen schwachen? Das ist ein schlechter Plan. Dann können meine Gegner schon an meiner Raise-Größe absehen, was ich für eine Hand habe. Aber wie wäre es, wenn ich nur meistens mit meinen guten Händen mehr raise und auch nur meistens mit meinen spekulativen Händen weniger Raise. Das könnte zum Beispiel so aussehen: mit Assen raise ich zu 70% auf 4 Big Blinds und zu 30% auf 2 Big Blinds. Mit 76s raise ich zu 70% auf 2 Big Blinds und zu 30% auf 4 Big Blinds.
Schon können meine Gegner nicht mehr an meiner Raise-Größe ablesen, was ich habe und ich schiebe meistens mehr Geld als Favorit in die Mitte. Und damit ich während des Spiels nicht mit einem Zufallsgenerator da sitzen muss, habe ich eine ganz einfache Regel gefunden, wann ich mehr und wann weniger raise.
Immer wenn ich aus einer frühen Position raise, spiele ich 4 Big Blinds an (für eventuelle Limper pack ich noch einen drauf), aus mittlerer Position spiele ich 3 Big Blinds und aus später Position nur 2 Big Blinds.
Die Logik hierbei ist ganz einfach: in späten Position spiele ich viel mehr Hände als in frühen Positionen und habe dort auch viel mehr spekulative Hände im Spektrum. Während ich UTG vielleicht nur 10% meiner Hände eröffne, sind es auf dem Button eher 40%. Da ist natürlich viel Trash dabei, mit dem ich nur die Blinds stehlen will.
Wichtig hierbei ist nur eins: ich muss dann auch in späten Positionen mit meinen guten Händen auf 2 Big Blinds erhöhen und ich muss, wenn ich mich entschließe mit einer spekulativen Hand aus einer frühen Position zu erhöhen, auch hier 4 Big Blinds setzen. Sonst wird die Strategie wieder durchsichtig.
Alles in Allem fahre ich damit sehr gut. Und das besonders Schöne ist: meine Gegner wissen genau, welche Strategie ich mit meinen Raise-Größen spiele, können aber doch nichts mit der Information anfangen. Denn dass ich aus einer frühen Position starke Hände raise, wussten sie auch schon vorher. Indem ich aus frühen Positionen höher Raise, mache ich es nur teurer für sie, gegen mein gutes Handspektrum zu spielen.
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